Betriebliche Gesundheitsförderung
Mehr bewegen, gesünder ernähren, endlich aufhören zu rauchen – gute Vorsätze sind oft genauso kurzlebig wie das Feuerwerk in der Silvesternacht. Das kennen sowohl Chefs als auch ihre Mitarbeiter. Dabei wird es immer wichtiger, durch eine gesunde Lebensweise Erkrankungen vorzubeugen, um Fehlzeiten und Produktionsausfälle zu vermeiden. Die Arbeitswelt gilt als besonders geeignetes „Setting“ für Gesundheitsförderung und Prävention, da berufstätige Menschen einen Großteil ihrer Zeit am Arbeitsplatz verbringen. So bieten schon etwa 90 Prozent der Betriebe mit mehr als 1.000 Mitarbeitern betriebliche Gesundheitsförderung an. Aber auch in immer mehr kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland finden Gesundheitsförderung und Prävention zunehmend Beachtung. Denn vor allem hier gibt es noch Potenzial durch die Vermeidung von Krankheiten bei der Belegschaft, die firmeninternen aber auch gesellschaftlichen Krankheitskosten beträchtlich zu reduzieren.
Heute gehört es zu einer modernen Unternehmensstrategie nicht nur durch Optimierung der Arbeitsorganisation und Arbeitsumgebung die Bedingungen am Arbeitsplatz zu verbessern. Vielmehr müssen auch alle Beteiligten aktiv in die betriebliche Gesundheitsförderung einbezogen werden. Das bedeutet aber auch, dass die Initiative der Unternehmer gefragt ist, Anreize für ein gesundheitsbewusstes Verhalten der Beschäftigten zu geben. Im Gegenzug werden sie mit höherer Arbeitszufriedenheit, einem geringeren Krankenstand und weniger Krankheitskosten belohnt.
Und selbst die Politik scheint das erkannt zu haben: Mit dem Jahressteuergesetz 2009 können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern künftig gesundheitsfördernde Maßnahmen anbieten, die bis zu einem Betrag von 500 Euro steuerfrei bleiben. Das können externe Kurse in Sporteinrichtungen oder betriebliche Angebote wie Rückenschulungen sein.
„Diese Steueränderung ist ein willkommener Rückenwind und ein wirklich wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit von Arbeitnehmern. Mitarbeiter sollten ihre Chefs ruhig ansprechen und auf die neuen Möglichkeiten aufmerksam machen“, appelliert Jochen Protzer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) an die Arbeitnehmer. Denn insgesamt sind die neuen Steuerregeln zur fundierten Primärprävention noch zu wenig bekannt. „Bislang leisten sich nur etwa 30 Prozent der deutschen Unternehmen ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Es ist erfreulich, aber auch dringend notwendig, dass sich das ändern wird.“
Das Gelsenkirchener Unternehmen RAM Systems geht seit einem halben Jahr beim Thema betriebliche Gesundheitsförderung mit gutem Beispiel voran: „Nach einem intensiven Gespräch haben wir uns entschlossen, das „Work-Life-Balance“- Konzept für unsere Mitarbeiter einzuführen. Wir haben uns für das bundesweite BGF- Konzept von Bernd Kliebisch aus Schwelm entschieden. Es ist völlig neuartig und basiert auf den Erkenntnissen unterschiedlicher US-amerikanischer Studien“, erzählt Frank Schmelz, Geschäftsführer des IT-Unternehmens.
Das Konzept hat gleich mehrere Besonderheiten: Es beginnt schon damit, dass das Come In Präventionszentrum als lizenzierte, Schweriner Gesundheits-Einrichtung einen Firmenbeauftragten hat, der sich vor Ort um die Mitarbeiter kümmert. „Wir holen die Mitarbeiter in der Firma ab, führen dort Kick-off-Veranstaltungen durch und stellen Ihnen direkt und verbindlich eine Membership- Karte aus. Das motiviert sie noch einmal zusätzlich“, sagt Sebastian Meyn vom Vital Center Lankow. Vor der Trainings-Planung wird ein Fitness-Check durchgeführt: „Wir ermitteln auf Wunsch auch den Cholesterinspiegel, führen verschiedene Belastbarkeitstests durch und stellen dann den persönlichen Trainingsplan zusammen. Die einen haben Rückenschmerzen, die anderen möchten abnehmen oder einfach nur fitter werden. Jeder Mitarbeiter der Firma kann individuell und unter Anleitung unserer qualifizierten Trainer die Einrichtung nutzen und frei aus allem wählen“, so Meyn. Bestandteil des Angebots ist auch die Nutzung der Wellness-Einrichtung wie zum Beispiel der Sauna und der Badmintonplätze.
„Wir übernehmen die Kosten für unsere Belegschaft und schaffen so einen Anreiz für mehr Bewegung, bessere Fitness und schließlich auch dafür, dass sich die Leute besser fühlen.“ Die Resonanz seiner Mitarbeiter ist derart positiv, dass Frank Schmelz die Investition bisher nicht bereut. Im Gegenteil, sein Appell an Unternehmen ist, die Betriebliche Gesundheitsförderung ernster zu nehmen: „Solche Angebote, wie zum Beispiel das Konzept nach Bernd Kliebisch, sollten unbedingt genutzt werden. Zum einen kann man die Ausgaben als USP sehen. Aber eigentlich ist es weit mehr: Es ist unser gesellschaftlicher Auftrag, dass wir uns in Zeiten von Fachkräftemangel und dem demografischen Knick um die Gesundheit unserer Mitarbeiter kümmern. Die sind unser Kapital. Wenn sie sich wohl fühlen, körperlich fit und seelisch ausgeglichen sind, dann ist das eine klassische Win-Win-Situation für uns als Arbeitgeber und für unsere Arbeitnehmer“, sagt der Unternehmer.






